Benutzen Aliens das Badezimmer?

Disc03

Wie ich in meinem letzten Blogeintrag geschrieben habe, nahm ich diesen November erstmals am National-Novel-Writing-Month teil.

Eine kurze Erklärung, für die, die diese Aktion nicht kennen: Der »NaNoWriMo« ist ein Schreibprojekt, bei dem jeder Teilnehmer sich vornimmt. innerhalb des Monats November eine Geschichte mit mindestens 50.000 Worte zu schreiben. Und um diese doch ganz beachtliche Menge zu schaffen, werden alle Mechanismen der Motivation durch sozialen Medien genutzt, allen voran der permanente Vergleich des »Wortstands« mit anderen Teilnehmern. Zudem soll durch den Wettbewerb etwas ausgeschaltet werden, das die »NaNos« den »inneren Lektor« nennen, also jene Instanz, die uns Schreiberlinge permanent hinterfragen lassen, ob das, was wir soeben geschrieben haben, überhaupt etwas taugt – Masse zählt – Ausschließlich.

(Immerhin empfehlen die NaNos, das Geschriebene dann einige Zeit liegen zu lassen, und sich dann an die Überarbeitung zu machen.)

Meine Wahl fiel auf ein Science-Fiction-Roman-Konzept, das ich seit Anfang des Jahres verfolge.

Ich hatte die Welt, auf der die Geschichte beginnt, Hauptpersonen und ein Dutzend Wegpunkte zum Finale. Ich wusste also, worum es gehen sollte, und nicht viel mehr. Perfekt, um darauf los zu fabulieren.

Oder etwa nicht?

Die ersten Tage lief es ganz gut, auch wenn ich schnell dem Soll hinterher hing, das würde ich am Wochenende wieder aufholen können.

Immerhin schrieb ich jeden Tag, egal ob es Murks war, oder genial, das würde man später sehen. Weiterschreiben!

Masse zählt.

Ausschließlich.

Tatsächlich gelang es mir, jenen ominösen „inneren Lektor“ im Zaum zu halten. Und wer mich kennt, weiß, dass ich mich ewig an der ersten Szene, am ersten Absatz, am ersten Satz aufhalten kann, in immer und immer wieder umschreiben kann, obwohl ich weiß, dass diese Szene, dieser Absatz oder dieser Satz von mir am Ende einfach gestrichen wird.

Antenna04Nach einer Wochen stieß ich jedoch auf ein Problem, das ich nicht berücksichtigt hatte; auf Fragen, die ich nicht unbeantwortet lassen konnte:

Menschen sind in dieser Geschichte die eigentlichen Aliens; Exoten, überwiegend Klone, die für ihren jeweiligen Verwendungszweck gezüchtet wurden. Die Erde ist bestenfalls ein Mythos.

Wie leben Menschen in einer Welt, die menschliche Gewohnheiten und kulturelle Errungenschaften nicht kennt?

Alles Sachen, über die ich mir Gedanken gemacht hatte. Dachte ich, bis ich es schreiben wollte. Aber wie bezeichnet man zum Beispiel eine Anzahl unterschiedlicher Nicht-Menschen, die sich irgendwo befinden? So: »Der Platz war bevölkert von einigen hundert »Leuten«, »Personen« »Einwohnern«, »Bewohnern«, »mehr oder weniger intelligente Lebensformen«? Wenn eine solche »Lebensform« dann menschenähnlich ist, kann ich sie als »humanoid« bezeichnen? Ich zumindest finde, das passt überhaupt nicht, da ja in diesem Fall nicht der »Nicht-Mensch« »menschenähnlich« ist, sondern der Mensch »nichtmenschenähnlich«. Wie jetzt?

Und wie leben diese Menschen und Nicht-Menschen, wenn ich keine Ausrede habe, dass sie irgendwie irdische Angewohnheiten und Annehmlichkeiten übernommen haben? Tragen sie Kleidung? Kennen sie Musik und Malerei? Gibt es so etwas wie eine Kindheit,  oder Ehe? Oder ganz profan: Haben Alien ein Badezimmer? Und wie benutzen sie es? Und so weiter und so fort …

Als sich solche Fragen häuften, war die Luft erst mal raus. Lustiges fabulieren funktioniert nicht, wenn das Konzept überall vom Klebeband der Dilettanz zusammengehalten wird.

Ich schaffte es bis zum 30. November gerade einmal auf 19.000 Worte, auch wenn ich jeden Tag geschrieben habe. Trotzdem bin ich ganz zufrieden. Da ich jeden Tag geschrieben habe. Da ich einiger über mich und mein Schreiben erfahren habe. Da ich weiter in Fahrt bin.

Werde ich nächstes Jahr wieder mitmachen? Ich weiß nicht. Wenn es sich anbietet und wenn ich besser vorbereitet bin, vielleicht dann.

Die »Klone« werden jetzt in Klausur gehen, bis ich den Weltenbau vorangetrieben und einige Antworten gefunden habe. Jetzt wende ich mich wieder der »Regenwelt« zu. Nach dem sie als Kurzgeschichte nicht den gewünschten Erfolg hatte, gebe ich ihr jetzt die Chance, ein Roman zu werden.

Wir lesen uns.

 

 

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