Messe

Ist denn schon wieder Frühling?

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Eigentlich habe ich mir ja vorgenommen, hier wenigstens einmal im Monat etwas zu schreiben. Aber die Zeit rast dahin und ich habe die Rückschau auf das vergangene Jahr genau so verpasst, wie den Ausblick auf 2018.

Und so ist es wieder März geworden.

Nächste Woche fahre ich nach Leipzig. Ihr könnt mich am Donnerstag und Freitag auf der Buchmesse finden. Vermutlich trinke ich zu viel Kaffee in der Autorenlounge des PAN, oder lausche auf der Leseinsel Fantasy jenen, die ihre Geschichten sowohl vollenden, als auch verkaufen können. Im Gegensatz zu mir. Denn auch dieses Jahr komme ich wieder ohne konkrete Projekte in der Tasche, geschweige denn einem Buch, das ich vorstellen darf.

Trotzdem freue ich mich darauf, nette Leute zu treffen, anregende Gespräche zu führen, und in den ruhigen Momenten Ideen zu sammeln – das Aufeinandertreffen von kreativen Menschen scheint tatsächlich Unmengen von »Insprationspartikeln« (Terry Pratchett) freizusetzen, die nur darauf warten, sich in einem Kopf festzusetzen.

Die Ideen, die ich auf der Bahnfahrt zur und von der vergangenen Leipziger Buchmesse notiert habe, haben mich im letzten Jahr viel beschäftigt – auch wenn ich es, wie oben geschrieben, nicht geschafft haben, sie in eine Form zu bringen, in der ich mit ihnen bei Verlagen und Agenten hausieren gehen könnte.

In den letzten Wochen habe ich mich dann auf ein paar Kurzgeschichten konzentriert. Eigentlich wollte ich zwei davon bis zum Ende des Monats bei Ausschreibungen einreichen, jetzt muss ich mich sputen, wenigstens eine davon fertig zu bekommen.

Und daran werde ich mich heute noch ein, zwei Stunden setzen.

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Gen Osten!

Der Zug folgt der eisernen Spur nach Nordosten. Der Himmel ist wolkenverhangen. Auf den Wiesen und Feldern steht das Wasser, die Bäume an den Ufern der Bäche haben nasse Füße, und das Gesträuch an den Böschungen neben der Bahnlinie wirkt irgendwie modrig und krank. Eine Welt in graubraun. Nichts erinnert an den beginnenden Frühling, und an die jungen Knospen, die ich heute morgen noch im Garten entdeckte.

Vor wenigen Stunden. Ehe ich mich auf den Weg gemacht habe. Jetzt fantasiere ich über eine Welt, die im Regen versinkt. Ich mache mir einige Notizen. Vielleicht wird ja mal eine Geschichte daraus.

Ich bin unterwegs. Auch wenn beim Blick aus dem Wagonfenster der Frühling fern scheint, so verspüre ich, wie viele andere bibliophile Vögel auch, den Drang, nach Leipzig zu ziehen, zur zweitgrößten deutschen Buchmesse.

In diesem Jahr gibt es keine Klagen über die Bahn, die Unterkunft ist in Ordnung, zentrumsnah und trotzdem noch günstig. Leider kein Frühstück. Am nächsten Morgen bin ich deshalb früh unterwegs, nach einem Kaffee beim Bäcker ab zur Messe. Ich bin erstaunt, dass die Linie 16 heute zwar sehr voll ist, sie jedoch nicht wie in den Vorjahren Buchmessebesucher in belesene Dosenwurst verwandelt. Vielleicht hatte ich ja auch nur Glück. Und vielleicht könnte man daraus ja …

Wie viele meiner phantastischen Mitschreiber bin ich gespannt, wie sich die Abwesenheit von WerkZeugs auf die Phatastikecke in Halle 2 auswirken würde. Und schon beim ersten Durchgang gewinne ich das Gefühl, dass unsere literarische Heimat noch tiefer in der hintere Ecke der Messehalle kauert, als schon in den Vorjahren; umrahmt von den Kinder- und Jugendbüchern.

Nach einem kurzen „Hallo“ bei einigen der ausstellenden Verlage zieht es mich zur neuen Autoren-Lounge des PAN. Ich bin ja Mitglied in dem Verein, und so freut es mich umso mehr, endlich einige der Macher und Mitmacher persönlich kennenzulernen, allen voran unsere beiden Vorständinnen Diana und Lena, und natürlich alle anderen auch. Hier treffe ich dann auch den Rest der diesjährigen „AKzwanzig13-in-Leipzig“ Delegation in Person von Henning Mützlitz, und viele weitere geschätzte Kollegen und Kolleginnen; ein so massives Aufeinandertreffen von Phantastikautorenschaft gibt es sonst nur noch beim BuCon im Herbst. Ich stelle mir vor, dass die Luft hier erfüllt ist von Inspirationpartikeln. Wäre das nicht Thema für eine Geschichte?

Es gefällt mir hier … in den nächsten beiden Tagen belaste ich den Kaffeeetat des PAN ganz erheblich.

Zum Abschluss des ersten Messetages wohnen wir noch der Seraph 2017-Verleihung bei und freuen uns mit den Preisträgerinnen Katharina Seck und Julia Lange. Der wie immer überfüllten Preisträgerlesung ziehen wir dann kurzfristig ein Abendessen in geselliger Runde vor. Nicht nur wir haben uns spontan noch dazu eingeladen, im Laufe des Abends wird das Nebenzimmer des „Apels Garten“ voll, und man genießt angeregte Unterhaltungen mit alten und neuen Freunden.

Der Freitag verläuft weitgehend wie der Donnerstag, bis auf die Tatsache, dass jetzt alles schon ein bisschen voller ist. Ich weiß schon, warum ich mir dieses Jahr Samstag und Sonntag spare. Am Abend verlangen meine Füße eine Pause, ich mache mir einen gemütlichen Abend auf dem Zimmer, sinniere über die letzten beiden Tage, mache mir ein paar Notizen.

Am Samstag geht es wieder nach Hause. Wie jedes Jahr trinke ich meinen letzten Kaffee in der Buchhandlung Ludwig im Bahnhof. Der Himmel ist klar, als der Zug den Bahnhof verlässt, und zwischen Leipzig und Nürnberg führe ich eine angeregte Unterhaltung mit meinem Platznachbarn. Dann habe ich noch etwas Zeit, ehe ich zu Hause ankomme. Draußen vor dem Wagonfenster zieht die Welt vorbei, und ich mache mir Notizen über eine ferne Zukunft. Die Menschheit hat sich zu den Sternen aufgemacht … und ging dort verloren. Vielleicht wird einmal eine Geschichte daraus.

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Kleiner Nachschlag: Mangamädchen riechen nach Klebstoff

Ein Artikel beim sonst von mir geschätzten SWR („Kein Ort für nackte Hasen“), dessen Autor sich über die Anwesenheit der Cosplayer auf der „ernsthaften“ Buchmesse echauffierte, führte zu einem mittelschweren Beben, nicht nur bei den Mangafreunden und Cosplayern, sondern in der gesamten Phantastik-Szene.

Ich verbrachte in diesem Jahr einige Zeit in Halle 1, also der Manga- und Comic-Convention, und ich gestehe, dass mir vieles, speziell in der Manga- und Cosplayer-Szene, fremd bleiben wird und schräg bis skurril erscheint. Nun, ich mag „schräg und skurril“. Außerdem bin ich ja ein bekennender Fan der Filme des Studio Ghibli, und wer ernsthaft „Die letzten Glühwürmchen“ als bloß einen Anime … ok, ich schweife ab. – In Halle 1 lauschte ich beim „Schwarzen Sofa“ unter anderem Menschen, die ihre Erlebnisse mit Neonazis in Comicform verarbeitet haben, und erfuhr, dass das „Bundesamts für magische Wesen“ keine Nonsensplattform ist. Ich könnte hier noch vieles dazu sagen, aber dann wird dieser Beitrag nie fertig …

… und meine geschätzte Kollegin Lena Falkenhagen hat bei TOR.Online („Die Arroganz der grauhaarigen alten Männer“) alles wunderbar auf den Punkt gebracht. Ich kann mich ihren Worten nur anschließen. Auch die Leipziger Buchmesse hat ein klares Statement dazu HIER abgegeben.

Ansonsten hat das Thema mich zu dieser „Unter-Überschrift“ verleiten lassen, welche die Kernerkenntnis meines letztjährigen Messebesuchs darstellt, als ich das Etagenbad im Hotel mit einer Horde Cosplayer/Innen teilen durfte.

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Und sonst?

Nichts.

Wie bitte?

Ja, das wars. Mangamädchen kommen in diesem Blogeintrag nicht vor. Sorry. Man möge mir die Effekthascherei verzeihen. Aber vielleicht wäre auch das Stoff für eine Geschichte …

Die phantastisch literarische Welt schaut nach … DREIEICH!

Ist es wirklich erst fünf Jahre her? Machte ich mich wirklich erst 2011 zum ersten Mal auf, den Buchmesse Convent in Dreieich-Sprendlingen zu besuchen?

Ja. Es ist wohl tatsächlich so.

Damals kannte ich dort keinen Menschen. Ich schlenderte zwischen den Ständen hindurch und besuchte etliche Lesungen – und las selbst eine kleine Geschichte vor: Beim »Sängerkrieg auf dem BuCon« trat ich mit meiner Kurzgeschichte gegen Nina Horvath und Carsten Steenbergen an.

Danach kannte ich schon mal zwei wunderbar nette AutorInnenKollegen. Ich schmökerte im Inhalt der Con-Tüte und stand in der Raucherecke und am Getränkeausschank und wieder an den Ständen von Torsten und Tina Low und Ernst Wurdack und kam ins Gespräch mit weiteren Verlegern und Lesern und Autoren. Ben B. Black war einer davon, wenn ich mich recht erinnere. Wir stellten fest, dass wir viele Gemeinsamkeiten haben, nicht nur im Zungenschlag. Ich wohnte der üppig zelebrierten Preisverleihung des Deutschen Phantastik Preises (DPP) bei. Und schon – viel zu schnell – war dieser Tag vorüber. Doch eines war sicher: Das war nicht mein letzter Besuch auf dem BuCon!

illu_drache_300pxTatsächlich habe ich seit dem keinen BuCon mehr ausgelassen. Inzwischen durfte ich noch ein paarmal Lesen – und verpasse leider die meisten Lesungen, denen ich selbst lauschen möchte, – weil man sich mal wieder … verquasselt. Der BuCon 2013 war die erste und bisher einzige Platz, an dem es dem AKzwanzig13 gelang, vollständig zusammenzukommen. Wir haben die Preise für »Eis und Dampf« und »Das Schwarze Auge« und »Geek« und was weiß ich und einfach so gefeiert. Der BuCon ist ein Treffen von Gleichgesinnten, ein Fest von Freunden, er ist einfach »phantastisch« …

Schön, bald wieder dort zu sein!

Das PROGRAMM am Samstag, dem 22.10.2016, in aller Pracht und in sieben Leseräumen.

Auch wenn ich persönlich nichts zum Vortragen habe, so möchte ich euch doch auf die Vorstellung der Wächter-Chroniken“ (um 12:00 Uhr in „Deep Space 4“) hinweisen.

Und das AKzwanzig13 hat dann noch nicht Feierabend:

Um 16:00 Uhr, ebenfalls in „Deep Space 2“ wird auch Christian Lange aus seinem Beitrag zu der Anthologie „GAMER“ lesen.

Und gleich darauf, um 17:00 Uhr auf der „Battle Bridge“, werden Judith und Christian Vogt ihren neuen Roman „Die verlorene Puppe“ präsentieren.


P.S.: Ach ja: Verzeiht mir die Eitelkeit: Meine Geschichte »Es ist da draußen«, wurde damals von den Zuhörern des »Sängerkrieges« zur besten Geschichte gekürt. Carsten gewann den Preis für den besten Vortrag. Und Nina belegte sicher zwei zweite Plätze …