Schreiben

Achtung! Drachen!

Im vergangenen August durfte ich für Dominik Schmellers „Drachenzirkel“ in München lesen, und wurde dazu noch eingeladen, eine drachige Geschichte für die kommende Anthologie zu schreiben.

Jetzt ist das Buch erschienen, am vergangenen Samstag war Premierelesung (an der ich leider nicht teilnehmen konnte) und heute sind meine Exemplare gekommen. Schön, mal wieder etwas neues von mir gedruckt zu sehen …

Das Mädchen war schmutzig. Es starrte geradezu vor Dreck, von der Nasenspitze bis zu den Zehen; auch die beeindruckend langen Haare machten da keine Ausnahme, sie waren zerzaust und verfilzt und Zweige und Laub hatten sich darin verfangen. Das Mädchen war so außergewöhnlich schmutzig, dass Tore erst gar nicht bemerkte, dass es nicht nur schmutzig war, sondern auch splitterfasernackt. Es stand mitten auf dem Waldweg und sah Tore neugierig an.

Tore glotzte zurück. Er hatte in den letzten Monaten viele schmutzige – wenn auch nicht so konsequent lückenlos schmutzige – und viele nackte – wenn auch selten so völlig ohne einen Hauch von etwas Kleiderartigem nackte – Menschen gesehen. Zuletzt in dem Dorf, durch das er vorgestern gekommen war. Die meisten dieser Menschen hatten geweint und geklagt und gefleht. Oder sie hatten Tore stumm und aus leeren Augen angesehen; manche dieser Augen waren nicht nur leer, sondern auch so tot wie der Rest von ihnen gewesen.

[…]

Aus „Familienbande“ von Stefan Schweikert

Die „Familienbande“ spielen übrigens in der selben Welt, wie schon „Nebelsee

Drachenmär gibt es vorerst nur bei den Lesungen des „Drachenzirkels“, oder fragt bei den beteiligten Autorinnen und Autoren nach.



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Utopia? Dystopia!

Ich kann keine Utopien schreiben.

Nein, kann ich nicht. Ich bin eher so der Dystopien-Typ, wenn es um Science-Fiction und so geht. Utopie würde ich gerne, kann ich aber nicht … leider.

Auf dem PAN-Branchentreffen 2018 besuchte ich einen Workshop zum Thema Phantastik und Technologie. Eigentlich sollte es um Überlegungen gehen, wie „Was wäre, wenn die Hobbits Handys gehabt hätten“, oder ganz allgemein um das Einbringen technologischer Visionen in die Fantasy. Schnell entstand jedoch eine Grundsatzdiskussion zur Frage, warum Phantastik-Autoren technischen Fortschritt in der Mehrzahl skeptisch bis negativ behandelten, und ob es denn für uns keine »technologischen Utopien« mehr geben würde. Nun möchte ich diesen Thema noch einmal aufgreifen.

Ich mag Star Trek. Wirklich! Und Star Trek ist zweifellos – zumindest in der klassischen Serie und noch mehr zur Zeit der Next-Generation – eine Utopie. Gene Roddenberys Vision mag heute an der einen Ecke etwas blauäugig und an der anderen etwas zu amerikanisch wirken, und ich glaube auch, sie ist das Musterbeispiel für die Diskrepanz zwischen Vision und Realität.

In Star Trek hat die Menschheit den Krieg und den Hunger überwunden, es gibt eine Weltregierung, man ist Teil einer Föderation der Planeten, und das Raumschiff Enterprise ist – wenn auch wehrhaft – ein Forschungs- und ganz gewiss kein Kriegsschiff. Ein Schlüssel zu dieser Entwicklung ist bei Roddenberry und seinen Nachfolgern die Entwicklung des Replikators, eines Geräts, das aus fast nichts, – fast – alles herstellen kann, was man ihm einmal beigebracht hat. So ist in dieser Zukunft Geld unnötig geworden, die Menschen müssen nicht mehr arbeiten, um zu überleben, und können sich dem Guten und Edlen widmen, den Künsten und der Forschung. Weil der Mangel beseitigt ist, weil es genug von allem und für alle gibt.

Eine schöne Vision, eine wunderbare Utopie, ich liebe sie. Wenn wir doch einen Replikator hätten …

… und wenn der Mensch nicht – so sehr – Mensch wäre.

Schauen wir zurück in die letzten Jahrhunderte Menschheitsgeschichte: Der mechanische Webstuhl hat das Leben der Weber nicht besser gemacht, sondern arbeitslos. Trotz Wandels der bäuerlichen Landwirtschaft zur Agrarindustrie mit gewaltiger Überproduktion hungern weiterhin weltweit die Menschen. Die Möglichkeit der globalen Kommunikation hat uns nicht klüger gemacht und lässt uns auch nicht näher zusammenrücken, sondern ist zu einem Verblödungsmedium mit angeschlossenem Webshop verkommen, auf dem Katzenvideos noch das Beste sind, da sie den Menschen (so nicht Katzenhasser) wenigstens für einen Moment lächeln lassen. Und ja: Ihr dürft Euch gerne fragen, wie schizophren ich bin, da ich das gerade hier veröffentliche.

Und deshalb fürchte ich, dass, wenn morgen jemand Roddenberrys wunderbaren Replikator erfinden würde, die Welt sich nicht zum besseren wandeln würde, sondern noch schneller in die Katastrophe schreiten. Weil der Replikator jemandem gehören würde. Jemandem, und nicht allen. Weil jener, dem er gehört, damit auch Profit machen wollte. Und wenn nicht jener selbst, so jemand in seiner Nähe, jemand, der ihn an sich reißt, um ihn für sich zu nutzen. Und weil der überwiegende Teil der Menschheit dies auch gerecht finden würde, dass der Replikator jemandem gehörte und nicht allen. Wo kämen wir den dahin, wenn jeder »umsonst« von der Leistung einen anderen profitieren könnte? Alles muss jemandem gehören! Und wenn es schon nicht mir gehört, dann erst recht nicht dem »Anderern«, der es erst recht nicht verdient hat! Wie schon der Webstuhl, der Acker und das Saatgut und das Internet und bald auch das Wasser und unsere Gene und vielleicht auch mal die Luft und unser Leben, und …

… ihr seht schon: Dystopien fallen mir offensichtlich leichter, als Utopien zu erschaffen, …

… technologische Utopien zumindest. Denn – und das ist wirklich wichtig! – nicht der Webstuhl, das Saatgut, das Internet oder der Replikator sind böse oder schlecht. Sie sind auch nicht gut. Nein! Sie sind jenseits davon, sie sind vom Menschen geschaffene Werkzeuge, mit denen er sein Leben gestaltet.*

Jedoch habe ich den Eindruck, dass der Mensch über die Jahrhunderte hinweg fortwähren bewiesen hat, dass er auf der Suche nach seinem persönlichen Paradies, das Paradies aller anderen möglichst gründlich verwüsten muss. Und dazu ist ihm jedes Mittel recht. Natürlich gibt es auch Gegenargumente. Gerade nach dem Zweiten Weltkrieg schien die Menschheit entschlossen, sich auf ihre Gemeinsamkeit zu besinnen, Menschenrechtscharta und das vom mir so gerne zitierte Grundgesetz zeugen davon. Und natürlich hat der technische Fortschritt den Menschen Gutes gebracht, sie gesünder und satter und in gewissem Ramen auch klüger gemacht, zumindest wenn sie wollen … und wenn sie auf der richtigen Seite der Welt geboren wurden. Keiner will ernsthaft zurück ins Mittelalter, oder in die Steinzeit. – Auch die nicht, die noch immer wie im Mittelalter leben müssen, oder in die Steinzeit zurückgebombt wurden.

Offensichtlich: Ich kann keine Utopien schreiben.

Keine technologischen Utopien, zumindest. Vielleicht auch ganz einfach, weil es überhaupt keine technologischen Utopien gibt und es sie auch nie gab! Weil Technik ein Werkzeug ist, der Hammer wie das Gedicht, das Penicillin wie auch die Bomben und der Müll. Und das Werkzeug kann den Nutzer des Werkzeugs nicht ändern. Nicht zum Guten, nicht zum Schlechten. Das Werkzeug kann ihm schaden und nutzen, meist schadet er damit lieber anderen. Nehmt ihm die Waffen weg! Aber es ist immer der Nutzer, nicht das Werkzeug.

Wenn es keine technologischen Utopien geben kann, dann kann es nur menschliche Utopien geben.

Und wenn man es so sieht, dann ist jede Geschichte, in der das Gute das Böse überwindet, in der Gerechtigkeit geschaffen, Gnade gewährt, Liebe gewonnen, Freundschaft geschlossen, Leben geboren, und gemeinsam gelacht wird, eine Utopie.

In diesem Sinne auf ein utopisches Jahr 2019

Euer Stefan

P.S.: Ich habe nicht das Gefühl. dass dieser Text fertig ist, werde mir also erlauben, ihm, wenn nötig, zu ergänzen und anzupassen.

*Anmerkung zum Werkzeug: Auch die Sprache ist nur ein Werkzeug und hat kein Bewusstsein, kein Eigenleben, auf wenn man es der Sprache gerne zuschreibt. Und so kann auch die Sprache nie ansich/von sich aus/ in sich selbst(!) gut, böse, rassistisch oder sexistisch sein kann. Es geht immer darum, wie jemand etwas meint, und wie jenes von der Gegenseite verstanden wird. Dies ist das Geheimnis der Kommunikation. Und da ich Euch alle, die bis hier her gelesen haben, für kluge und verständige Menschen halte, gehe ich auch davon aus, dass Ihr den Unterschied zwischen grammatischem und biologischem Geschlecht kennt. Danke!

Tschüss 2018! Hallo 2019!

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So, das Jahr 2018 ist fast vorüber, und ich nutze die Ruhe von dem Knall, um Euch allen ein schönes, gesundes und friedliches Neues Jahr 2019 zu wünschen.

Eine Jahresrückblick spare ich mir. Viel wollte ich hier schreiben, über das Leben, das Schreiben und den ganzen Rest. Aber da ich es bis jetzt nicht getan habe, fange ich kurz vor Schluss nicht mehr damit an … nächstes Jahr mache ich es besser. Nicht versprochen, denn ich kenne mich …

Ich hoffe wirklich, dass ihr nächstes Jahr mehr von mir zu Lesen bekommt. Einige Kurzgeschichten sind entstanden, ein paar sind nicht genommen worden, für die Anthologien, für die ich sie geschrieben hatte. Andere werdet ihr in der einen oder anderen Form zu lesen, oder auch zu hören bekommen.

Auch zu einem neuen Roman gibt es noch nichts zu berichten. Ich schreibe – wenig, viel zu wenig, aber ich schreibe.

Hier zumindest ein kleiner Ausblick auf das was kommt:

Cover Drachenmaer Anthologie_Drachen

Also auf nach 2019!

Wie lesen uns!

Euer Stefan

Wenn die Worte fehlen …

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Ich weiß, ich weiß, ich habe hier schon eine Ewigkeit nichts mehr gebloggt und bin von meinem Plan, hier wenigstens einmal im Monat etwas zu schreiben, weiter entfernt, als je zuvor.

Es gäbe viel zu sagen, viel zu schreiben, Stellung zu beziehen, Haltung und Gesicht zu zeigen … dieses Land und diese Welt verändern sich – und das nicht wirklich zum Guten. Geister und Dämonen, die zwar nicht vernichtet, jedoch gebannt, gar gezähmt schienen, spucken die Kreide aus, die sie gefressen hatten, und angelockt von den schrillen Tönen der geifernden Flötenspieler, verfallen die Menschen willig in einen Tanz an Marionettenfäden und jubeln jenen zu, die nur Verachtung für sie empfinden, diese Narren …

Ja, ihr wisst, wovon ich schreibe. Und meine Haltung dazu hat sich nicht geändert, nicht seit 2015 und auch nicht davor oder danach.

Ich glaube nicht, dass ich ein „guter Deutscher“ bin oder gar sein will. Nation ist etwas, das die meisten vom kosmischen Würfelspieler zugeteilt bekommen, es ist also nichts, auf das man „stolz“ sein kann, zumindest nicht, wenn man „Stolz“ als etwas betrachtet, das sich auf eigene Leistungen oder Verdienste beziehen sollte. (Einwurf: Wobei ja jene, die sich aktiv darum bemühen, zu einer Nation zu gehören, also Einwanderer, die einzigen sind, die auf ihre „neue Nationalität“ tatsächlich stolz sein dürften.)

Aber ich glaube, dass es doch etwas gibt, über das wir uns in diesem Land freuen können, und auf das wir sogar ein bisschen stolz sein können, auch wenn es nicht wir, sonder unsere Eltern und Großeltern und Urgroßeltern waren, die es geschaffen haben:

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

[Quelle]

Es ist doch wunderbar, was hier, ganz vorne, als Artikel 1 des Grundgesetztes steht. Und seht einmal genauer hin …

„Die Würde des Menschen …“ steht da! Nicht die Würde des Deutschen, nicht die Würde des Weißen, des Mannes, des Gesunden, des Heteros, des was weiß ich auch immer. Und das „Deutsche Volk“, also genau ihr, ja, ihr genau, die ihr doch immer so betont, „deutsch“ zu sein – was immer das auch ist oder sein soll, ich kann vielleicht schwarz, gelb, rot, groß, klein, mann, frau, beides oder anders oder ohne Haare sein, aber das ist ein Gen in meinem Menschsein, das Deutschgen ist mit nicht bekannt – und auch ihr und ich, die wir doch immer so betonen, dass uns Nation am Allerwertesten vorbei gehen, auch uns gelten diese Sätze: „Wir bekennen uns zu den unverletzlichen und unveräßerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt!“

Welch schöne Worte. Voller Hoffnung und Respekt. Wäre es nicht wunderbar, sie zu leben, zu achten und zu verteidigen?

UND IHR GRÖHLT: „LASST SIE ABSAUFEN!“

Ihr lasst mich sprachlos werden …

Natürlich gab es noch anders, über das ich gerne viele Worte verloren hätte. Nicht erst seit dem PAN-Branchentreffen 2018 mit seinem Motto „Träumen Androiden von Freiheit? – Über Gesellschaft und Politik in der Phantastik“ sind die Themen Rassismus, Sexismus, Gendergerechtigkeit, Diversität etc. in der Phantastikszene omnipräsent.

Ich hatte hierzu schon vor dem Treffen im April einen kleinen Blogartikel angefangen, aber nie vollendet. Worüber ich anschließend sogar froh war. Ich musste – wie gesagt – feststellen, dass dieses Thema weit kontroverser diskutiert wird, als ich es mir je vorstellen konnte, und nicht nur einmal habe ich das Gefühl, dass das Thema zu oft zur Nabelschau verwendet wird und man sich lieber darüber die Köpfe heißredet, wer von den „Guten“ denn nun der bessere und richtige „Gute“ ist und ob der schlechtere „Gute“ denn nicht gar schlimmer als der „Böse“ ist, anstatt das Übel zu benennen und sich zu fragen, wie man sich dem (als Phantastik-Autor) stellen kann.

Wie gesagt: Hierzu werde ich sicher noch etwas schreiben. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Aber – wie gesagt, ich wollte ja über meine Sprachlosigkeit sprechen und habe darüber jetzt viele Wort verloren.

Ach ja: Ich schätze, dass ich in den nächsten Wochen/Monaten noch mit drei Kurzgeschichten beschäftigt sein werde, die ich versprochen habe, zu schreiben. Dann wende ich mich wieder intensiver meinen Romanprojekten zu. Es geht also – langsam – weiter.

Und dann möchte ich euch nochmal auf einen Termin hinweisen: Am kommenden Samstag, den 11. August lese ich beim Drachenzirkel in München. Ich werde einige vergangene und kommende Projekte vorstellen:

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Ist denn schon wieder Frühling?

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Eigentlich habe ich mir ja vorgenommen, hier wenigstens einmal im Monat etwas zu schreiben. Aber die Zeit rast dahin und ich habe die Rückschau auf das vergangene Jahr genau so verpasst, wie den Ausblick auf 2018.

Und so ist es wieder März geworden.

Nächste Woche fahre ich nach Leipzig. Ihr könnt mich am Donnerstag und Freitag auf der Buchmesse finden. Vermutlich trinke ich zu viel Kaffee in der Autorenlounge des PAN, oder lausche auf der Leseinsel Fantasy jenen, die ihre Geschichten sowohl vollenden, als auch verkaufen können. Im Gegensatz zu mir. Denn auch dieses Jahr komme ich wieder ohne konkrete Projekte in der Tasche, geschweige denn einem Buch, das ich vorstellen darf.

Trotzdem freue ich mich darauf, nette Leute zu treffen, anregende Gespräche zu führen, und in den ruhigen Momenten Ideen zu sammeln – das Aufeinandertreffen von kreativen Menschen scheint tatsächlich Unmengen von »Insprationspartikeln« (Terry Pratchett) freizusetzen, die nur darauf warten, sich in einem Kopf festzusetzen.

Die Ideen, die ich auf der Bahnfahrt zur und von der vergangenen Leipziger Buchmesse notiert habe, haben mich im letzten Jahr viel beschäftigt – auch wenn ich es, wie oben geschrieben, nicht geschafft haben, sie in eine Form zu bringen, in der ich mit ihnen bei Verlagen und Agenten hausieren gehen könnte.

In den letzten Wochen habe ich mich dann auf ein paar Kurzgeschichten konzentriert. Eigentlich wollte ich zwei davon bis zum Ende des Monats bei Ausschreibungen einreichen, jetzt muss ich mich sputen, wenigstens eine davon fertig zu bekommen.

Und daran werde ich mich heute noch ein, zwei Stunden setzen.

Benutzen Aliens das Badezimmer?

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Wie ich in meinem letzten Blogeintrag geschrieben habe, nahm ich diesen November erstmals am National-Novel-Writing-Month teil.

Eine kurze Erklärung, für die, die diese Aktion nicht kennen: Der »NaNoWriMo« ist ein Schreibprojekt, bei dem jeder Teilnehmer sich vornimmt. innerhalb des Monats November eine Geschichte mit mindestens 50.000 Worte zu schreiben. Und um diese doch ganz beachtliche Menge zu schaffen, werden alle Mechanismen der Motivation durch sozialen Medien genutzt, allen voran der permanente Vergleich des »Wortstands« mit anderen Teilnehmern. Zudem soll durch den Wettbewerb etwas ausgeschaltet werden, das die »NaNos« den »inneren Lektor« nennen, also jene Instanz, die uns Schreiberlinge permanent hinterfragen lassen, ob das, was wir soeben geschrieben haben, überhaupt etwas taugt – Masse zählt – Ausschließlich.

(Immerhin empfehlen die NaNos, das Geschriebene dann einige Zeit liegen zu lassen, und sich dann an die Überarbeitung zu machen.)

Meine Wahl fiel auf ein Science-Fiction-Roman-Konzept, das ich seit Anfang des Jahres verfolge.

Ich hatte die Welt, auf der die Geschichte beginnt, Hauptpersonen und ein Dutzend Wegpunkte zum Finale. Ich wusste also, worum es gehen sollte, und nicht viel mehr. Perfekt, um darauf los zu fabulieren.

Oder etwa nicht?

Die ersten Tage lief es ganz gut, auch wenn ich schnell dem Soll hinterher hing, das würde ich am Wochenende wieder aufholen können.

Immerhin schrieb ich jeden Tag, egal ob es Murks war, oder genial, das würde man später sehen. Weiterschreiben!

Masse zählt.

Ausschließlich.

Tatsächlich gelang es mir, jenen ominösen „inneren Lektor“ im Zaum zu halten. Und wer mich kennt, weiß, dass ich mich ewig an der ersten Szene, am ersten Absatz, am ersten Satz aufhalten kann, in immer und immer wieder umschreiben kann, obwohl ich weiß, dass diese Szene, dieser Absatz oder dieser Satz von mir am Ende einfach gestrichen wird.

Antenna04Nach einer Wochen stieß ich jedoch auf ein Problem, das ich nicht berücksichtigt hatte; auf Fragen, die ich nicht unbeantwortet lassen konnte:

Menschen sind in dieser Geschichte die eigentlichen Aliens; Exoten, überwiegend Klone, die für ihren jeweiligen Verwendungszweck gezüchtet wurden. Die Erde ist bestenfalls ein Mythos.

Wie leben Menschen in einer Welt, die menschliche Gewohnheiten und kulturelle Errungenschaften nicht kennt?

Alles Sachen, über die ich mir Gedanken gemacht hatte. Dachte ich, bis ich es schreiben wollte. Aber wie bezeichnet man zum Beispiel eine Anzahl unterschiedlicher Nicht-Menschen, die sich irgendwo befinden? So: »Der Platz war bevölkert von einigen hundert »Leuten«, »Personen« »Einwohnern«, »Bewohnern«, »mehr oder weniger intelligente Lebensformen«? Wenn eine solche »Lebensform« dann menschenähnlich ist, kann ich sie als »humanoid« bezeichnen? Ich zumindest finde, das passt überhaupt nicht, da ja in diesem Fall nicht der »Nicht-Mensch« »menschenähnlich« ist, sondern der Mensch »nichtmenschenähnlich«. Wie jetzt?

Und wie leben diese Menschen und Nicht-Menschen, wenn ich keine Ausrede habe, dass sie irgendwie irdische Angewohnheiten und Annehmlichkeiten übernommen haben? Tragen sie Kleidung? Kennen sie Musik und Malerei? Gibt es so etwas wie eine Kindheit,  oder Ehe? Oder ganz profan: Haben Alien ein Badezimmer? Und wie benutzen sie es? Und so weiter und so fort …

Als sich solche Fragen häuften, war die Luft erst mal raus. Lustiges fabulieren funktioniert nicht, wenn das Konzept überall vom Klebeband der Dilettanz zusammengehalten wird.

Ich schaffte es bis zum 30. November gerade einmal auf 19.000 Worte, auch wenn ich jeden Tag geschrieben habe. Trotzdem bin ich ganz zufrieden. Da ich jeden Tag geschrieben habe. Da ich einiger über mich und mein Schreiben erfahren habe. Da ich weiter in Fahrt bin.

Werde ich nächstes Jahr wieder mitmachen? Ich weiß nicht. Wenn es sich anbietet und wenn ich besser vorbereitet bin, vielleicht dann.

Die »Klone« werden jetzt in Klausur gehen, bis ich den Weltenbau vorangetrieben und einige Antworten gefunden habe. Jetzt wende ich mich wieder der »Regenwelt« zu. Nach dem sie als Kurzgeschichte nicht den gewünschten Erfolg hatte, gebe ich ihr jetzt die Chance, ein Roman zu werden.

Wir lesen uns.

 

 

… ENDE – Anfang …

Es ist ein angenehmes Gefühl, das Wörtchen ENDE unter eine Geschichte zu setzen, auch wenn es nur eine Kurzgeschichte ist. Und auch, wenn alles mit „ziemlich heißer Nadel gestrickt“ wurde,  um die Geschichte am letzten Abgabetag – oder in diesem Fall: in der letzten Abgabestunden – der Ausschreibung noch abzuschicken.

Ich erwarte also nicht, dass ich Euch an dieser Stelle bald eine neue Veröffenlichung verkünden kann. Trotzdem war die Arbeit sehr befriedigend, denn während des Schreibens musste ich etliche Szenen kürzen und streichen, schrieb am letzten Tag – dank Feiertag – auch noch das letzte Drittel komplett um, da sonst alles zu lange geworden wäre, und es haben sich dabei so viele Ideen angesammelt, dass die Geschichte, oder besser: deren Metaplot und Figuren, das Material für eine lange Novelle, gar einen Roman inne haben.

Worum geht es: Es ist eine Geschichte, der mein „Regenland“- (oder „Scheißwetter“-) Szenario zu Grunde liegt, von der ich an dieser Stelle ja schon berichtet habe. Alles weitere: Abwarten …

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Als Beweis täglicher Prokrastination, hier ein Bild vom BuCon (wer hat es eigentlich gemacht?) das ich durch den Gimp-Fleischwolf gedreht habe.

„Dank“ des oben erwähnten Abgabetermins, habe ich es dieses Jahr versäumt, meine „BuCon“-Nachlese zu schreiben. Aber ich möchte es nicht unterlassen – etwas verspätet, und hier unten versteckt – zu verkünden, dass es wieder einmal phantastisch war, dass die Orga wieder Großes geleistet hat, und dass ich Euch alle, alle, alle vermisse!

Bilder und Berichte findet Ihr bei Facebook und auf den Blogs meiner Kolleginnen und Kollegen, und auch von mir an dieser Stelle nochmal einen Herzlichen Glückwunsch an Torsten Low für den wohlverdienten Ehrenpreis des BuchmesseCons. (Und ebenfalls nocheinmal: Wer, wenn nicht du …?)

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Das AKzwanzig13 mit elektronischem Henning-Substitut. Das Original war nachwuchsankunftsbedingt verhindert.

Soweit zum ENDE, zum Rückblick.

Und Enden sind ja bekanntlich nur versteckte Anfänge …

Ich habe Anlauf genommen und will weiter Fahrt aufnehmen. Das Regenland-Konzept bleibt erst einmal liegen, und „Jadvengar“ muss auch noch etwas warten. Da ich wieder einmal erkennen muss, dass Abgabetermine eine der wirksamsten Motivationspeitschen für mich sind, habe ich einer reizenden Bekannten zugestimmt, bei etwas mitzumachen, das ich bisher für ausgemachten Blödsinn hielt. Vielleicht ist es das auch wirklich, aber ebenso vielleicht entfacht es seine Wirkung auf meinen „Schreibmuskel“ und hält ihn weiter in Bewegung.

Ich rede von berüchtigten NaNoWriMo! (Wenn ihr nicht wisst, was das ist, Google ist Euer „Freund“), an dem ich erstmals teilnehme. Und dafür nimmt man am Besten etwas Neues. Ich setze mich jetzt an meine Science-Fiction-Roman, Codename: „Clone“.

Somit komme ich zu einem Ende hier und für heute, und da Ihr es ja immerhin bis hier untern durchgehalten habt: Hier mein NaNoWriMo-Alias

Man liest sich!

Es war einmal in Aventurien …

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In meinem letzten Beitrag, hier an dieser Stelle – Was? Auch schon wieder 10 Wochen her! – schrieb ich ja, dass derzeit nichts Neues für Aventurien und das Schwarze Auge von mir geplant ist.

Umso mehr freue ich mich, dass es jetzt gleich zwei Nachrichten aus Mittel… äh, Aventurien zu vermelden gibt.

Erstens: Seit kurzem ist „Starless Sky“ erhältlich, die englische Ausgabe der Anthologie „Sternenleere“ von 2015, mit meiner Geschichte „Der Marsch der Hundert“, jetzt als „March of the Hundred“ meine erste englische Veröffentlichung überhaupt. Tata! *Sektkorken*

Schattenlichter

Und Zweitens: Die „Schattenlichter“, die Geschichten aus der aventurischen Metropole Gareth (Erschienen 2013), kommen als Hörbuch. Die ersten Geschichten könnt ihr jetzt schon herunterladen und zwar –> hier. Der Rest folgt Geschichte um Geschichte; „Ein Messer im Rücken“ wird ab dem 4. November zur Verfügung stehen. Und – Ja! Das ist umsonst!

***

EuD_2teAuflage

Neues gibt es auch aus der Welt von „Eis und Dampf“: Die Anthologie zu Judith und Christian Vogts Steampunk-Welt der „Zerbrochenen Puppe“ wurde endlich nachgedruckt, und sollte in der Buchhandlung Eures Vertrauens an sofort wieder erhältlich sein. Judith und Christian waren übrigens alles andere als untätig; neben der „Verlorenen Puppe“ gibt es inzwischen auch die zweite Ausgabe der „Grünen Fee“, dem ‚Groschenheft‘ zur Welt von Eis und Dampf, mit Beiträgen von weiteren AKzwanzig13-Kollegen. Und was von den beiden noch alles berichtenswert ist – die „Dreizehn Gezeichneten“ und so – lest ihr am besten auf ihrer Seite –> hier.

***

Ach ja … da fällt mir gleich noch etwas ein: Solltet ihr auf einer Euch eher unbekannten Seite auf Euch eher unbekannte Geschichten von mir stoßen, so hat das seine Richtigkeit, solange es sich um diese Seite handelt: Federfy. An der Entwicklung dieser Seite ist ein Bekannter von mir beteiligt, der mich gebeten hat, ihm etwas Material zu Verfügung zu stellen und die Seite zu testen, was ich getan habe, in dem ich ein paar ältere Kurzgeschichten online gestellt habe. Das Konzept von einer vernetzten Inspiration zwischen Bild und Geschichte finde ich interessant, und ich bin gespannt, inwieweit sich so etwas entwickeln kann. Zumal auch meine erste Reaktion darauf war: Was? Noch ein Portal, auf dem Autoren/Fotografen/Musiker … umsonst ihre Arbeit stellen sollen? Was ist Eure Meinung dazu?


Dracheklein

Und zu guter Letzt: Bald ist wieder Buchmesse in Frankfurt und damit Zeit für den 32. BuchmesseCon in Dreieich. Ich werde da sein und freue mich auf Euch!

Das Monster im Keller

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Kürzlich haben wir im Blog vom AKzwanzig13 über die vielfältigen Aktivitäten unseres Autorenkollektivs berichtet. Zwei Namen wurden nur im Abspann erwähnt, der von Marco Findeisen, und meiner.

Hier also – sozusagen – ein kleiner Nachschlag.

Ich habe hier schon über mein Talent berichtet, mannigfaltige Vermeidungsstrategien zu entwickeln, um mich vor dem Schreiben zu drücken. Was an sich ja – gelinde gesagt – schon seltsam anmutet, da ich, wie die meisten meiner werten Kolleginnen und Kollegen, von dem Drang beseelt bin, Geschichten zu entwickeln und zum Leben zu erwecken.

Trotzdem gelingt es mir immer wieder, irgend etwas „wichtigeres“ vorzuschieben. Zur Zeit nutze ich den so raren wie wertvollen Urlaub vom „Brotjob“ dazu, nicht richtig viel zu schreiben, sondern einem anderen Bedürfnis zu folgen, nämlich der dringend notwendigen Renovierung meines Kellers. Mein sommerlicher Dungeoncrawl, sozusagen.

Bedenkt: Ihr habt es hier mit einem schwäbischen Autoren zu tun …

Aber: Ja, ich schreibe noch …

… wenn auch nicht so viel, wie ich gerne möchte.

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Das Verputzen des Kellers / Monsters

Und da Ihr hoffentlich lieber etwas über das Monster im Keller, als das Verputzen desselben lesen wollt (der Satz gefällt mir, er regt zu einer Geschichte an …) verrate ich Euch natürlich auch, was ich denn zur Zeit so schreibe.

Im Moment nötigen mich leider weder Abgabetermine, noch sonstige Verpflichtungen dazu, konzentriert an EINER Geschichte zu arbeiten. Und so gönne ich mir den Luxus, mich gleich mit VIER Romanprojekten zu beschäftigen. Oder – wie der Prokrastinationstroll sagen würde: Ich gönne mir den Luxus, die Arbeit an gleich vier Romanprojekten zu vermeiden.

Und so kann ich nicht sagen, welche Geschichte irgendwann die Teiletappe eines tragfähigen und Verlagen oder Agenten anbietbaren Konzepts schafft, welche gar als Erste über die Zielgerade der Rohfassung gehen wird.

Um was handelt es sich denn?

Nun, zum Einen schreibe ich noch immer an jenem einen Fantasyroman, der mich schon seit einigen Jahren beschäftigt, mein „Herzensprojekt“, dem ich hier unter dem Titel „Jadvengar“ – selbst voller Ungeduld – eine Unterrubrik eingerichtet habe.

Ein weiterer Fantasyroman spielt in der selben Welt, wie „Jadvengar“, und entstand aus einem Konzept, das ich vor Jahren noch für „Das Schwarze Auge“ entwickelt hatte, dann aber nie zum Roman wurde, und jetzt „entavanturisiert“ eine neue Chance bekommen soll. Arbeitstitel? „Sturmfalken“.

Außerdem arbeite ich an einem Science-Fiction-Roman (AT: „Klone“), dessen Weltenbau fast abgeschlossen ist, und zu dem schon ein paar Seiten geschrieben sind.

Und zuletzt gibt es da eine Dystopie, zu der nur ein grobes Konzept existiert, zu der ich also nicht viel sagen kann, außer, dass die ersten Notizen unter der Arbeitstitel „Scheißwetter“ entstanden.

Ja, ich schreibe noch …

… und ich lasse mich mit viel zu großer Leichtigkeit davon abhalten.

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Als Beweis hier ein Beispiel erfolgreicher und erfreulicher Prokrastination mit der Band:

Cold Shot live …

Aber jetzt geht es weiter mit …

ja, bei vier Projekten ist das gar nicht so einfach zu entscheiden …

Fantasy, SF oder das „Scheißwetter“?

und dann lauert da ja noch dieses Ungeheuer im Keller!

Vermeidungsstrategien … schön!

Offensichtlich bin ich ein Meister darin, meine rare Schreibzeit nicht nur einfach so immer weiter einzuschränken, sondern dabei auch gleich neue Baustellen zu eröffnen, die ich wohl in zwei Leben nicht abschließen kann.

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Aber das neue Spielzeug, das ich für mich wiederentdeckt habe, ist einfach zu schön … und vielleicht wird es auch irgendwann richtige Töne von sich geben.

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Aber keine Angst … demnächst erzähle ich euch hier an dieser Stelle etwas über Jadvengar. Was das ist? Wie gesagt: Demnächst …

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